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Demonstration in Karlsruhe



Demo Karlsruhe


Interview mit Norman "Scorpion" Schlorke



Am 05.06.2009 versammelten sich etwas über 400 Spieler und Interessierte um zu zeigen, dass ihr Hobby nicht das ist, als was es ständig dargestellt wird. Man will für seine Kultur demonstrieren und nicht zum Spielball der Politik werden. Stephansplatz

Sammelpunkt und Start der Demonstration war der Stephansplatz in Karlsruhe. Kurz vor 17 Uhr füllte sich auch schon der Platz. Schnell wurde klar, dass die Nachricht die, über diese Demonstration verbreitet werden will, nicht nur die jungen Leute was angeht. Viele ältere Spieler, sowie einige Eltern von Spielern waren gekommen, um sich etwas mit der Thematik auseinander zu setzen.


Kurz nachdem sich ca. 300 Leute auf dem Platz versammelt hatten, verkündeten die Organisatoren kurz vor Start der Demonstration unter Aufsicht der Polizei die Regeln einer Demonstration und wiesen nochmal ausdrücklich darauf hin, dass Gewalt in keinster Weise toleriert werden würde und auch nicht im Sinne dieser Veranstaltung stände. Ebenso sollen Gegner dieser Veranstaltung die sich eventuell unter die Demonstraten gemischt haben ignoriert werden um Streit bereits im Vorfeld aus dem Weg zu gehen. Ziel war es, eine friedliche Demonstration durchzuführen und zu zeigen, dass Spieler in keinster Weise gewalttätig sind. Nachdem die Regeln verlesen wurden, verteilte die Organisation der Veranstaltung T-Shirts an die Demonstranten. Insgesamt 60 Shirts mit den Slogans "Ich wähle keine Spielekiller" und "Zensursula" wurde vom Onlineshop 3DSupply für diese Veranstaltung gesponsort und auch dankend von den Teilnehmern entgegengenommen. Nach den Vorbereitungen und dem Ausrüsten mit T-Shirts, Stickern, Flyern und Transparenten machte sich der Zug auf den Weg zum Marktplatz in Karlsruhe.

Der bunte und gut gelaunte Demonstrationszug schlängelte sich, begleitet von der Polizei und den Verantwortlichen der Karlsruher Verkehrsbetriebe, durch die Innenstadt von Karlsruhe. Laut schallten Parolen wie "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Spiele klaut", "wir sind keine Amokläufer" und "eSport ist kein Mord" durch die Stadt Karlsruhe. Schnell fanden sich zahlreiche neugierige Menschen die sich von diversen Teilnehmern der Demonstration aufklären ließen. Ebenso wurde über verteilte Flyer auf die Ziele dieser Aktion aufmerksam gemacht. Der Demonstrationszug hat deutlich Interesse und Neugierde in vielen Menschen geweckt. Ebenso wurden viele Leute dazu animiert, sich spontan dem Zug anzuschließen. So konnte man Minute für Minute zu sehen wie der Zug länger und länger wurde.



Der Zug kam auf dem Vorplatz des Rathauses zum Stehen. Das Rathaus befindet sich am Rande des Marktplatzes von Karslruhe, also einem gut besuchtem Platz. Erster Redner war der Initiator Norman, der die Stimmung der Demonstraten noch ein wenig aufheizte. Mit der Parole "Wer nicht hüpft, der ist kein Spieler" brachte er die bis zu diesem Zeitpunkt auf knapp 400-500 angestiegene Anzahl von Demonstranten zum Hüpfen und somit auch die Stimmung auf den Höhepunkt. Norman sprach in seiner Ansprache die vielen Vorurteile, die gegen die Spieler in der Welt kusieren, an. Ebenso forderte er ein Verbot für das Wort "Killerspiele". Es sei ein Begriff, der nicht nur einen Teil der Gesellschaft diskriminiere, sondern auch einen großen Teil der Spieleindustrie. Ebenso solle man nicht vergessen, dass die meisten IT Spezialisten eben erst durch das Interesse zu Computerspielen sich mit dem PC befasst haben. Seine Rede rundete er mit den Worten "Wir wollen einfach nur zocken" und der Antwort des gesamten Zuges "Amen!" ab. Nach der Ansprache von Norman folgte seine Mutter die ebenso einige Worte an den Demonstrationszug richten wollte. Kernaussage dieser Rede war, dass sie der Meinung sei, dass nicht die Politik verantwortlich für den Umgang mit Spielen bei Jugendlichen verantwortlich sein sollte, sondern die Eltern. Es wäre wesentlich sinnvoller, mehr Aufklärung bei den Eltern zu leisten, als ständig irgendwelche Verbote zu erfinden.

Gefolgt wurde die Ansprache der Mutter von Patrik, ein Mitglied der Organisatoren, dessen Hauptaussage folgende war: "Wie will man friedliebende Menschen noch friedliebender machen? Indem man ihr Hobby verbietet? Wir sind Gamer und brauchen uns nicht zu verstecken!".

Ebenso anwesend war der Manager von n!faculty der es sehr gut fand, dass endlich mal ein Zeichen gesetzt werde, anstatt sich zu verstecken.

norman


Nach den Kundgebungen bewegte sich der Zug dann auch weiter zur Schwarzwaldhalle, der Halle in der ursprünglich das IFNG stattfinden sollte. Der durchgehend friedliche und gut gelaunte Zug steckte weiterhin viele Passanten an, die ihr Interesse zeigten und auch die Polizei war kaum mehr Bewacher und Aufpasser des Zuges, sondern machte eher den Eindruck, ein Teil davon zu sein. Die Polizisten bewegten sich häufig innerhalb des Zuges und unterhielten sich mit den Demonstranten, zeigen also durchaus ebenso Interesse an dieser Veranstaltung. Mit großem Gebrüll und sehr guter Stimmung kam der Zug dann entsprechend an der Schwarzwaldhalle an, wo auch bereits eine Bühne mit Leinwand aufgebaut war.

Die Organisatoren dankten allen Beteiligten, die diese Veranstaltung erst möglich gemacht hatten und stellten fest, dass sie eigentlich viel früher als geplant angekommen seien. "Ihr seid viel zu schnell hier gewesen! Was ist los Gamer? Ihr seid ja sportlich", scherzte Norman.

Bedingt durch die etwas verfrühte Ankunft gab es noch ein Problem mit dem Beamer, der das Showmatch ausstrahlen sollte. Die Sonne stand noch etwas zu hoch, was dazu führte, dass man auf der Leinwand nichts erkennen konnte. Zur Überbrückung der Zeit erzählten die Organisatoren etwas aus ihrem Leben, etwas über sich und scherzten rum. Auch einer der etwas älteren Spieler meldet sich bei dieser Gelegenheit zu Wort.

Christian Meyer, einer der älteren Spieler und Orga-Mitglieder, lobte diese Veranstaltung. Er war sehr überrascht wie gut diese Veranstaltung abgelaufen ist, gerade wenn man bedenkt, in welcher kurzen Zeit das Ganze organisiert wurde und wie das alles angefangen hat. "Ich war auf dem ersten Treffen auf dem nur 4 Leute waren. Da dachte ich natürlich auch, OK das wird schwer." Zudem meinte er, "Es gab eben schon immer etwas zu motzen für die Konservativen". Er fände es aber auch sehr gut, dass die Jugend sich endlich selbständig mobilisiere und bezeichnete dies als ein gutes Zeichen für die Zukunft.

Tauss Auch Politiker Jörg Tauss, der von Anfang an bei der Veranstaltung dabei war, durfte zu Wort kommen. Obwohl es eigentlich eine politikfreie Veranstaltung sein sollte, ließ ihn Norman mit den Worten "Wir brauchen jemand der unsere Stimme nach Berlin trägt" an das Mikrofon.

"Die meisten Innenminister haben verlangt Computerspiele mit Gewaltanteilen zu verbieten, und zwar die Herstellung sowie Verbreitung. Das zeigt, diese Leute haben keine Ahnung, es ist Primitivpopulismus. Wir wollen gemeinsam was dagegen tun. Schön, dass ihr da seid. Ich hab bei Counter-Strike noch nie gewonnen - find ich scheiße - aber ich habe es schon gespielt. Das habe ich im Bundestag bereits gesagt. Ich hab schon Counter-Strike gespielt, hab aber auch keinen von der anderen Partei ermordet. Also Leute, viel Erfolg. Weiterhin viel Spaß bei eurem Hobby. Wehren wir uns. Machen wir gesellschaftspolitisch Dampf dafür, dass niemand ausgegrenzt wird. Das es nicht so ist, dass Minderheiten unter Druck geraten. Dieser Primitivpopulismuss bringt unserem Land gar nichts, schadet uns eher."


Nachdem die Sonne dann tief genug stand, wurde auf dem Bildschirm das "Showmatch" ausgetragen. Gespielt wurde das Rennspiel "Trackmania Nations". Damit ging auch dieses Event gemütlich zu Ende.

Abschließend kann man sagen, dass es eine sehr gelungene Veranstaltung war. Viele Spieler waren gekommen um zu zeigen, dass Computerspieler gar nicht so schlecht sind wie sie immer dargestellt werden. Zudem wurde auch mal im positiven Sinne etwas auf sich aufmerksam gemacht, denn so einen gut gelaunten, friedlichen und hilfsbereiten Demonstrationszug gab es schon lange nicht mehr. Es war auch ein Schritt in Richtung Aufklärung und ein Zeichen, dass auch Spieler in der Lage sind, sich zu organisieren.

Auch muss man ein großes Lob an die Organisatoren dieser Veranstaltung aussprechen. Sie haben ohne irgendwelche Vorkentnisse über solche Veranstaltungen in kurzer Zeit etwas auf die Beine gestellt, was viele im Vorfeld nur belächelt und mit Worten wie "Da kommt doch eh keiner" schlecht gemacht haben. Also auch von mir ein riesen großes Lob an die Organisatoren, die Umsetzung war hervorragend, gerade im Bezug auf die sehr kurze Zeit die da war, um das ganze zu planen.

Jetzt bleibt abzuwarten was diese Demo genau gebracht hat. Mal sehen evtl. können wir in Zukunft auch in anderen Städten von solchen Sachen berichten. Das alles hängt jetzt nur noch von euch ab. Das positive Beispiel, dass es möglich ist soetwas zu organisieren, habt ihr nun aus Karlsruhe erhalten.

Auf die Frage: "Wirken sich solche Aktionen bzw. die Aussagen der Politiker über die 'Killerspiele' auf euer Wahlverhalten aus?", antworteten übrigens die meisten Leute mit: "Ja, das tut es! Ich befasse mich dadurch wesentlich mehr mit Politik und werde auch wählen gehen.".

Zum Ende des Berichts möchte ich auch nochmal auf dieses Video hinweisen:

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